Hausarzt werden

Spannung. Anerkennung. Vertrauen.

Caren Schweiger "Auf dem Land bekommen wir viel Wertschätzung"

Caren Schweiger erlebt derzeit ihre aufregendste Zeit als Hausärztin: Zu Jahresbeginn 2022 hat sie die Praxis in Drensteinfurt von ihrem Vater Dr. med. Olaf Salomon übernommen und führt diese nun gemeinsam mit ihrer Mutter Dr. med. Birgit Salomon. Die 32-Jährige ist in Drensteinfurt aufgewachsen und es war immer ihr Wunsch, nach ihrem Medizinstudium in Ungarn zurückzukehren. Warum die Allgemeinmedizin für sie immer die erste Wahl war, hat die Mutter von zwei Söhnen im Interview verraten.

Caren Schweiger, Hausärztin aus Drensteinfurt, über…

…die Allgemeinmedizin:
„Alles, was die Medizin zu bieten hat und was ich an ihr mag, ist in einem Fach gebündelt. Zudem gefällt mir die Arbeit mit Menschen, die ich über Jahre und Jahrzehnte begleite.“

…den Traumjob Allgemeinmediziner:
„Ich wollte immer Allgemeinmedizin machen. Das stand nie außer Frage. Ich habe schon im Kindergarten gesagt, dass ich Ärztin werden und später in der Praxis meiner Eltern in Drensteinfurt arbeiten möchte.
Unfallchirurgie hat mir auch Spaß gemacht, war im Nachhinein aber keine echte Alternative für mich. Daher habe ich meine Weiterbildung auf die Allgemeinmedizin ausgelegt und bin dafür an kleinere Krankenhäuser gegangen. Ich wollte möglichst viele verschiedene Einblicke bekommen. Ich habe mich bewusst gegen große Unikliniken oder Maximalversorger entschieden. In den kleinen Häusern sieht man eher Basismedizin, die mir in der Praxis weiterhilft, und ist näher dran am Patienten.“

…das Landarztsein:
„Ich bin grundsätzlich eher ,Landei` als Stadtmensch. Daher war das mit der Landärztin ein automatischer Prozess. Ich mag Drensteinfurt. Es gibt kurze Wege und die Welt ist hier noch in Ordnung.
In so einem kleinen Ort wie Drensteinfurt kennt man die meisten Patienten gut. Ich bin jetzt im fünften Jahr in der Praxis und kenne mehr und mehr die familiären Zusammenhänge. Das ist das Schöne an der Allgemeinmedizin. Auf der anderen Seite ist es natürlich auch schwer, wenn es schlimmere Schicksale gibt.“

…das Medizinstudium in Ungarn:
Ich hatte ein gutes, aber durchschnittliches Abitur und daher keine Chance in Deutschland Medizin studieren zu können. Dann musste ein Plan B her. Ich bin dann ein Jahr nach meinem Abitur nach Ungarn gegangen. Dort gab es viele Studierende, die wie ich aus einer Arztfamilie stammten und nichts anderes als Medizin machen wollten.
In Deutschland hätte ich zu dem Zeitpunkt mindestens zwölf bis 14 Semester auf eine Zulassung zum Medizinstudium warten müssen – ohne Garantie, dass ich dann reinkomme. Durch mein Physikum in Ungarn konnte ich also sieben Jahre eher in den Arztberuf starten. Dadurch haben sich die dortigen Studiengebühren wieder amortisiert.“

…das Aufwachsen in der Medizinerfamilie:
„Mein Weg in die Medizin war durch meine Eltern vorgezeichnet. Ich habe natürlich auch mitbekommen, wie viel Arbeit das ist. Und meine Eltern meinten, sie freuen sich, wenn ich diesen Schritt gehe, ich solle mir das aber gut überlegen. Ich hätte mir aber nie etwas anderes vorstellen können. Meine ältere Schwester ist zwar keine Ärztin geworden, arbeitet aber auch im Gesundheitswesen.“

…die Niederlassung und die Praxisübernahme:
„Ich hätte auch alleine eine Praxis gegründet. Ich wollte ja immer Hausärztin werden. Das wäre sicher schwieriger geworden und mit noch mehr Nervenkitzel als ohnehin schon.
Ich bin froh, dass ich die Praxis erst einmal mit meiner Mutter gemeinsam führen kann. Wir haben die geteilte Verantwortung und ich kann langsam reinwachsen.
Wir sind ein großes Team mit fünf ärztlichen Kollegen, die sich gut ergänzen. Da kann man immer Fragen stellen und einander weiterhelfen. Auch mein Vater, der jetzt im Ruhestand ist, ist bei medizinischen Fragen immer noch eine Riesenhilfe.“

…den Numerus Clausus als Zulassungsvoraussetzung für das Medizinstudium:
„Ein gutes Abitur definiert keinen guten Arzt. Durch den hohen Numerus Clausus nimmt man so vielen jungen Leuten, die so große Lust auf diesen Job haben und so gut geeignet wären, die Chance, Arzt zu werden.“

…die Work-Life-Balance:
„Das Bild vom Hausarzt hat sich gewandelt. Eine ausgewogene Work-Life-Balance ist für die jetzige Generation sehr wichtig.
Ich habe mich bisher nie überarbeitet und ich habe auch nicht das Gefühl, dass ich das jetzt tue. Die aktuelle Praxisübernahme ist natürlich eine außergewöhnliche Phase. Derzeit muss ich schon gucken, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Aber das wird sich einspielen. Zudem sind wir in der Praxis gut aufgestellt. Daher sehe ich schon zu, dass ich nach den Sprechstunden und am Wochenende die Zeit mit meiner Familie verbringe. Mein Mann ist derzeit in Elternzeit und unterstützt mich da sehr.“

…die Rolle als Hausärztin und Mutter:
„Meine Patienten stellen mir oft die Frage, wie meine Kinder betreut werden. Dann bekomme ich manchmal ein schlechtes Gewissen. Männern wird diese Frage nicht gestellt. Ich finde es schade, dass es diese alten Rollenbilder immer noch gibt. Der Spagat zwischen Beruf und Familie ist eine Herausforderung, aber kein Ding der Unmöglichkeit.
Ich habe keine Nacht- und Wochenend-Dienste, was auch für die Allgemeinmedizin spricht. Falls ich irgendwann das Gefühl hätte, dass ich meine Kinder vernachlässige, müsste ich kürzertreten. Ich habe eine Verantwortung für meine Familie, aber auch für die Praxis und meine Patienten. Alle sollen zufrieden sein.“ 

…schöne Erlebnisse als Hausärztin:
„Es gibt so viele schöne Erlebnisse in der Praxis. Hier auf dem Land bekommen wir viel Wertschätzung entgegengebracht – in Form von Worten, Karten, Süßigkeiten, selbst gebackenem Kuchen oder kleinen Präsenten. Ein Patient hat einen Kerzenleuchter für uns geschreinert. Eine andere Patientin hat mir einen Stein vom Rostocker Strand mitgebracht, weil sie wusste, dass ich dort studiert habe. Das ist eine tolle Wertschätzung und macht Spaß.“

...wie man Medizinstudierende für die Allgemeinmedizin begeistern kann:
„Die Entscheidung für einen Fachbereich wird im Studium und in den Arztpraxen gefällt. Warum entscheidet man sich für einen bestimmten Fachbereich? Weil man coole Famulaturen hatte oder mitreißende Dozenten! Dort sollte man ansetzen. Mein Allgemeinmedizin-Prof in Rostock war die Krönung! Spätestens der hätte mich überzeugt. Oder die Aussicht auf einen schönen Beruf!“

Interview: Simone Zettier
Bilder: privat

Caren Schweiger

  • seit dem 02.01.2022 in einer Gemeinschaftspraxis zusammen mit ihrer Mutter Dr. Birgit Salomon niedergelassen
  • seit Oktober 2021 Fachärztin für Allgemeinmedizin
  • 2018 – 2021 Weiterbildungsassistentin in der allgemeinmedizinischen Praxis von Dres. med. Olaf und Birgit Salomon in Drensteinfurt
  • 2017 bis 2018 Weiterbildungsassistentin in der Abteilung für Innere Medizin mit angebundener Schlaganfallstation unter Dr. A. Stegmeier im Stadtkrankenhaus Schwabach
  • 2016 – 2017 Weiterbildungsassistentin in der Abteilung für Unfallchirurgie und Orthopädie von Dr. Helmut Bülhoff in der Barbara Klinik Hamm
  • 2011 - 2015 Studium der Humanmedizin an der Universität Rostock
  • 2009 – 2011 Studium der Humanmedizin an der Universität Szeged in Ungarn
  • Verheiratete Mutter von zwei Söhnen

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