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„Wir sind nicht für den Impfstoffmangel verantwortlich!“

Dr. Jens Grothues impft in seiner Hausarztpraxis in Beverungen und als medizinischer Leiter des Impfzentrums im Kreis Höxter - sein Fazit des bisherigen Verlaufs der Impfkampagne fällt kritisch aus. (Foto: privat)Schnelltest2

„Eine überbordende Bürokratie geschuldet der deutschen Gründlichkeit, steht pragmatischen Lösungen oft im Wege. Ein Übergang auf die Basisversorgung ist eingeleitet. Aber bei zu geringen Impfstoffdosen gestaltet sich das für uns Niedergelassene leider sehr kompliziert“, so Grothues.

Die fehlende Planbarkeit, ein hohes Anspruchsdenken der Bevölkerung und fehlende, klare Unterstützung durch Landes- wie Bundespolitik führten in den Praxen zu einer erheblichen Belastung. „Unsere Helferinnen und Helfer wurden und werden zum Teil massiv per Telefon und in der Praxis angegangen“, sagt Grothues. „Dabei sollte doch klar sein: Wir sind nicht für den Mangel an Impfstoff verantwortlich, wir verwalten ihn nur.“

"Ohne Teamwork würde die Impfkampagne zum Stillstand kommen"

Aber auch in den Impfzentren stehe man vor vielen Herausforderungen. „Die komplexe Struktur eines Impfzentrums, ständig wechselnde Erlasslagen des Ministeriums und Begehrlichkeiten der Kreise, welche Bevölkerungsgruppen zuerst geimpft werden sollen, lassen täglich neue Aufgaben entstehen“, weiß Grothues. „Nur durch kooperative Arbeit im Team, durch Verteilung der Arbeit auf mehrere Schultern, ist der enorme Arbeitsaufwand zu leisten. Wir sind eingespielt, leistungsfähig und routiniert. Letztendlich ist die Zusammenarbeit, und man muss hier insbesondere die Arbeit der KVWL hervorheben und ausdrücklich loben, der Schlüssel zum Erfolg der Impfkampagne. Ohne Teamwork unter allen Beteiligten, sowohl im Impfzentrum als auch in den Praxen, und ohne die wirklich hohe Motivation unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter würde die Impfkampagne zum Stillstand kommen.“

"Wir priorisieren nach Kenntnis der Menschen und nicht nach Erlass!"

Grothues hofft, dass es gelingt, das Impfgeschehen schnellstmöglich in den Praxen zu konzentrieren: „In unseren Praxen sind wir freier, wir kennen unsere vulnerablen Gruppen in den Praxen und priorisieren nach Kenntnis der Menschen und nicht nach Erlass. Die Freiheit der Entscheidung ist für mich als selbständiger Praxisinhaber zentral. Wir wissen besser als ein Ministerialbeamter in Düsseldorf, wer unsere Hilfe, Zuwendung und in diesem Fall Impfung benötigt.“ Für die kommenden Monate wünscht Dr. Jens Grothues sich vor allem eines: „Dass wir eine klare Planungssicherheit für unsere Praxen erhalten. Denn eins ist klar: Es wird ein Impf-Marathon, keine Impf-Eintagsfliege!“ 

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