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Studie zur Corona-Pandemie: MFA leisten viel und werden wenig beachtet

Antigentest AdobeStock 422032450Medizinische Fachangestellte sind in der Corona-Pandemie in besonderer Weise belastet, aber in der öffentlichen Wahrnehmung wenig beachtet. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Abteilung für Allgemeinmedizin der Ruhr-Universität Bochum (RUB).  (Foto: ©PrettyVectors - stock.adobe.com)

Die Corona-Pandemie belastet Beschäftigte im Gesundheitswesen in besonderer Weise. Neben den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten leisten Medizinische Fachangestellte (MFA) einen großen, aber in der öffentlichen Wahrnehmung wenig beachteten Beitrag zur medizinischen Versorgung der gesamten Bevölkerung. Zu diesem Ergebnis kommen Forschende der Abteilung für Allgemeinmedizin der Ruhr-Universität Bochum (RUB). Sie hatten MFA zu ihren Erfahrungen während der vergangenen 20 Monate befragt. Erste Ergebnisse der qualitativen Studie „Pandemiemanagement in der Praxis – Erfahrungsberichte und Reflexion (PIPER)“ zeigen die deutliche Arbeitsüberlastung der MFA.

Medizinische Fachangestellte werden nur selten berücksichtigt

Zusätzlich zum alltäglichen Arbeitsablauf erhöhte sich das Telefonaufkommen und die Impfungen mussten organisiert und durchgeführt werden. Zudem galt es, die notwendigen Hygienemaßnahmen auch bei unkooperativen Patientinnen und Patienten einzuhalten. Was die MFA nicht während der gewöhnlichen Arbeitszeit bewältigen konnten, mussten sie am Abend oder an Wochenenden nachholen. Doch im Gegensatz zu den Pflegekräften erhielten sie nur selten eine finanzielle Entschädigung und keinen öffentlichkeitswirksamen Dank, wie das Zitat einer MFA verdeutlicht: „[…] Krankenhaus, Altenpflege wurde ja ganz viel hervorgestochen. Und dann habe ich immer gesagt: Ja und wo sind wir? Die MFA aus den Praxen werden irgendwie gar nicht erwähnt […]“.

Prof. Dr. Horst Christian Vollmar, Abteilungsleiter der Allgemeinmedizin an der RUB betont: „Neben Pflegekräften, Hausärztinnen und Hausärzten sind Medizinische Fachangestellte eine weitere Berufsgruppe, die einen ganz wesentlichen Beitrag leistet, um die Corona-Pandemie in der ambulanten Gesundheitsversorgung zu meistern. Es ist bedauerlich, dass dies in der öffentlichen Wahrnehmung bisher so wenig gewürdigt wird.“

"Die Teams in den Hausarztpraxen leisten seit Monaten einen kräftezehrenden Job, um uns alle möglichst bald aus dieser Pandemie zu bringen. Unsere MFA und VERAH sind unverzichtbar und verdienen Respekt und auch finanzielle Anerkennung", bekräftigt Anke Richter-Scheer, 1. Vorsitzende des Hausärzteverbandes Westfalen-Lippe. 

Starker Stress über einen sehr langen Zeitraum

Eine weitere Herausforderung stellen hohe Erwartungen seitens der Patientinnen und Patienten dar, deren Auswirkungen MFA zu spüren bekommen, wie die Projektleiterin Prof. Dr. Ina Otte verdeutlicht: „Die Studienergebnisse belegen klar, welch starkem Stress die Medizinischen Fachangestellten während der gesamten Pandemie ausgesetzt waren. Insbesondere während der Phase knapper Impfstoffvorräte mussten sie vielfach mit dem Unmut der Patientinnen und Patienten umgehen.“

Die vollständigen Ergebnisse des PIPER-Projektes sollen zeitnah veröffentlicht werden. Dabei werden auch die Perspektiven von Hausärztinnen und Hausärzten sowie Pflegefachkräften berücksichtigt.

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