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Praxisbesuch bei Deutschlands 10.000ster VERAH

 

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Das Team der Gemeinschaftspraxis Niesen umfasst zwei Ärzte und fünf Medizinische Fachangestellte, davon zwei VERAH (v.l.): Laura Haase, Aileen Wesseling, Michael Niesen, Dr. Jürgen Niesen, Yvonne Behrens und Annette Ordelmanns. (Hannelore Passlick fehlt auf dem Bild). Foto: Daniela Thamm/HÄVWL

Laura Haase heißt jetzt VERAH. Die 23-jährige Medizinische Fachangestellte aus dem münsterländischen Ochtrup hat ihre Prüfung zur Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis Ende des Jahres mit Bravour bestanden, als Deutschlands 10.000ste VERAH. Mittlerweile ist die Zahl der VERAH bereits auf 10.225 geklettert, Tendenz weiter steigend. Die Zusatzqualifikation für MFA, die durch den Deutschen Hausärzteverband entwickelt wurde, hat sich längst zu einem bundesweiten Erfolgsmodell gemausert.

Hausbesuche bei chronisch kranken Patienten

In der Praxis Niesen in Ochtrup sind bereits zwei VERAH im Einsatz: Gemeinsam mit Yvonne Behrens ist Laura Haase so etwas wie der verlängerte Arm des Hausarztes vor Ort. Hausbesuche bei chronisch kranken Patienten sind eine wesentliche Aufgabe: Die Versorgungsassistentinnen fahren zu Patienten nach Hause, die selbst nicht mehr mobil genug sind, um in die Praxis zu kommen. Sie helfen bei der täglichen Wundversorgung, beim Blutdruckmessen oder beim Medikationsmanagement. „Sie können durch ihre Zusatzqualifikation Aufgaben übernehmen, die bislang der Hausarzt selbst gemacht hat, die aber nicht-ärztlicher Art sind“, sagt Michael Niesen, der die Praxis am Markt gemeinsam mit seinem Bruder Dr. Jürgen Niesen führt und sich zugleich als zweiter Vorsitzender im Hausärzteverband Westfalen-Lippe engagiert. Alle Tätigkeiten werden protokolliert; es findet ein ständiger Austausch mit dem behandelnden Hausarzt statt – dieser kommt in regelmäßigen Abständen oder bei Bedarf nach wie vor selbst zum Hausbesuch vorbei.

"Wir sind erster Ansprechpartner. Das schafft ein großes Vertrauen"

Beim Einsatz der VERAH vor Ort geht es dabei nicht nur um die optimale medizinische Versorgung der Patienten. „Wir erleben den Patienten in seinem häuslichen Umfeld und können schauen: Nutzt er seinen Rollator? Gibt es Stolperkanten in der Wohnung, die man beseitigen müsste? Benötigt er Hilfe? Ist eine Pflegedienst eingebunden?“, erklärt Laura Haase. Auch der Kontakt zur Familie sei wichtig. „Wir sind erster Ansprechpartner. Das schafft ein großes Vertrauen. Die Leute sind dankbar über den persönlichen und direkten Draht zu ihrer Hausarztpraxis.“ Für die 23-jährige Ochtruperin eine zugleich spannende und erfüllende Aufgabe. Sie ist seit fünf Jahren in der Praxis Niesen, hat hier ihre Ausbildung zur MFA gemacht und liebt ihren Job: „Er ist sehr abwechslungsreich und es kommt ganz viel von den Leuten zurück.“

Wichtiger Baustein bei der Sicherung der flächendeckenden hausärztlichen Versorgung

Neben der persönlichen Zufriedenheit hat das VERAH-Konzept aber auch eine politische Ebene: Es ist ein wichtiger Baustein bei der Sicherung der flächendeckenden hausärztlichen Versorgung, gerade in ländlichen Gebieten. Der Bedarf an Hausärzten wird insbesondere auf dem Land immer größer, weil es Nachwuchsmediziner oftmals eher in größere Städte zieht. Gleichzeitig kommt es aufgrund der demografischen Entwicklung zu einer Zunahme der häuslichen Betreuung von älteren Patientinnen und Patienten. Die praktizierenden Ärzte stehen also vor der Herausforderung, die zusätzliche Arbeit zu bewältigen und gleichzeitig dem einzelnen Patienten gerecht zu werde. Der Einsatz einer VERAH kann hier vieles bewegen. Sie kann zum einen den Hausarzt entlasten, zum anderen macht sie die Hausarztpraxis mobiler und kann den persönlichen Kontakt zum Patienten sogar noch intensivieren. Inzwischen ist das VERAH-Konzept das mit Abstand erfolgreichste Delegationsmodell im deutschen Gesundheitswesen.


„Daneben ist es für uns aber auch grundsätzlich wichtig, gut ausgebildete Mitarbeiterinnen zu haben. Davon profitieren wir – und die Mitarbeiterinnen sind durch die neue berufliche Herausforderung und ihre Verantwortung noch zufriedener“, betont Michael Niesen. Kein Wunder also, dass die nächste MFA der Praxis bereits in den Startlöchern steht: Im Herbst will Aileen Wesseling ihre Fortbildung zur VERAH beginnen.

Info:

  • VERAH ist die Abkürzung für „Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis“.
  • Hierbei handelt es sich um eine Initiative des Deutschen Hausärzteverbandes zur Qualifizierung erfahrener Medizinischer Fachangestellter.
  • In einer intensiven Fortbildung werden die MFA für Tätigkeiten weiterqualifiziert, die speziell in einer Hausarztpraxis anfallen und nicht-ärztlich sind. Die Fortbildung setzt sich aus acht Modulen zu Themen wie Wund- und Praxismanagement, einem Hospitations-Praktikum, einer schriftlichen Hausarbeit und einer mündlichen Prüfung zusammen.
  • Weitere Informationen unter www.hausaerzteverband-wl.de oder www.verah.de

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