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Traumjob Hausarzt: Nachwuchsinitiative Allgemeinmedizin macht Lust auf die eigene Praxis

Nachwuchsinitiative HÄVWL 1Anke Richter (r.) freute sich, Dr. Jens Biesenbaum, Dr. Jan Oltrogge, Volker Kordes, Michael Nickertz und Sarah Schumacher (v.l.)  als Referenten bei der Nachwuchsinitiative des Hausärzteverbandes inder Ärztekammer begrüßen zu können. Foto: Hark Schröder/Hausärzteverband Westfalen-Lippe 

Tipps direkt aus der Praxis, Antworten auf drängende Fragen, persönliche Erfahrungsberichte vom Weg in die Niederlassung und eine große Portion Begeisterung für den spannenden und erfüllenden Beruf des Hausarztes: Die Nachwuchsinitiative Allgemeinmedizin „Zukunft Praxis“, zu der der Hausärzteverband Westfalen-Lippe zum Auftakt seines 11. Westfälisch-Lippischen Hausärztetages in Münster eingeladen hatte, hielt jede Menge wichtige Informationen rund um die Themen Weiterbildung und Niederlassung für Medizinstudierende und Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung bereit.

"Ein toller und spannender Beruf, der völlig zu Unrecht oft unter Wert verkauft wird"

Schon der erste Referent räumte rigoros mit Vorurteilen auf: „Man schläft nicht in der Praxis, man hat einen verlässlichen Feierabend und ein Wochenende. Es ist genug Zeit für das übrig, was Spaß macht. Ich habe während meiner Weiterbildung nebenbei sogar noch ein Haus gebaut“, erklärte Michael Nickertz, der zusammen mit Kollegin und Ärztin in Weiterbildung, Sarah Schumacher, vor den rund 80 Gästen aus ganz Westfalen-Lippe von seinem Weg vom Hörsaal in die Praxis berichtete. Nickertz ist frisch gebackener Facharzt für Allgemeinmedizin, hat sich gerade in einer Praxis in Kamen niedergelassen und weiß aus Erfahrung: „Eine Praxis zu übernehmen bedeutet natürlich Arbeit, aber auch eine Menge Freude. Ich kann wirklich aus Überzeugung mit Herzblut für den Beruf des Hausarztes werben und euch nur raten: Macht es nach! Hausarzt ist ein toller und spannender Beruf, der völlig zu Unrecht oft unter Wert verkauft wird.“

Lockere Diskussionrunde und gute Gespräche beim Get Together

Die Botschaft dieses Abends war deutlich: Die Allgemeinmedizin ist ein anspruchsvolles Feld und auch mit Blick auf bürokratischen Aufwand und finanzielle Fragen ist der Weg in die eigene Praxis machbar und lohnenswert. Das kam beim Publikum an. In einer lockeren Diskussionsrunde und beim abschließenden Get Together mit Musik und guten Gesprächen konnten Fragen nach der Platzvergabe im Praktischen Jahr (PJ), nach dem Arbeitspensum in der Hausarztpraxis und nach dem finanziellen Risiko einer Niederlassung gestellt und beantwortet werden. Eine begleitende Ausstellung von Kooperationspartnern wie Kassenärztlicher Vereinigung, Ärztekammer, Universitäten, JADE (Junge Allgemeinmedizin Deutschland), den Kommunen Bocholt, Rhede und Isselburg, dem Kreis Steinfurt sowie Ärztenetzen und Praxen rundeten das Angebot ab und boten den Gästen Gelegenheit, sich mit Informationen einzudecken und Kontakte zu knüpfen.

„Unsere Referenten sind nah dran an der Lebenswirklichkeit der Studierenden, sie teilen ihre persönlichen Erfahrungen mit ihnen und sind so einfach authentisch“, erklärte Anke Richter, selbst Hausärztin aus Bad Oeynhausen und 1. Vorsitzende des Hausärzteverbandes Westfalen-Lippe, das Erfolgsrezept des mittlerweile dritten Nachwuchsabends in den Räumen Ärztekammer. Denn das kommt offenbar an bei der jungen Generation: „Das Interesse wächst stetig“, hat Richter beobachtet.

Intensives Vertrauensverhältnis zwischen Hausarzt und Patienten

Nah dran und authentisch – das galt auch für Dr. Jens Biesenbaum, Facharzt für Allgemeinmedizin aus Löhne, der sich sehr bewusst für diese Fachrichtung entschieden hat: „Die Allgemeinmedizin ist eine der medizinisch anspruchsvollsten Fachrichtungen. Als Hausarzt managt man akute Probleme, ist kurativ tätig. Gleichzeitig kann man aber auch präventiv viel bewirken: Man kann Krankheiten verhindern und kommt, anders als z. B. im Krankenhaus, nicht immer erst dann ins Spiel, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist“, so Biesenbaum. „Das Besondere ist außerdem die emotionale Bindung des Hausarztes zu seinen Patienten.“ Durch das jahrelange Begleiten des Patienten und oft ganzer Familien, manchmal über Generationen hinweg, bestehe ein intensives Vertrauensverhältnis. Biesenbaum hat vor einem Jahr die Praxis seines Vaters übernommen, weil ihn die damit verbundene Flexibilität reizt, und zwar „in Bezug auf Arbeits- und Urlaubszeiten, in Bezug auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, aber auch in Bezug auf medizinische Entscheidungen.“ Parallel engagiert er sich in der Berufspolitik, ist aktiv im Hausärzteverband Westfalen-Lippe, um sich für die Sicherung und weitere Verbesserung der Arbeitsbedingungen einzusetzen. „Als Hausärzte haben wir einen ganz tiefen Einblick in das System. Das muss man nutzen und sich einbringen. Gemeinsam sind wir da stark.“

Mit dem "Werkzeugkasten Niederlassung" fit für die Praxis

Sich gegenseitig unterstützen und Gemeinsamkeiten nutzen – darum geht es auch Dr. Jan Oltrogge, der als junger Facharzt für Allgemeinmedizin sein Wissen und seine Erfahrungen in einer Seminarreihe des Forums Weiterbildung im Deutschen Hausärzteverband an andere angehende Hausärztinnen und Hausärzte weitergibt: Der „Werkzeugkasten Niederlassung“ behandelt die Themen, die Berufseinsteiger jenseits aller medizinischen Aspekte beschäftigen. So stehen Fragen nach den wichtigsten Versicherungen, nach der Auswahl der geeigneten Praxisräume und -einrichtung, nach Abrechnungen oder dem Umgang mit Bürokratie und Formularen im Zentrum der 13 Module der Seminarreihe. „Die Idee ist, dass sich die Generation der gerade jung Niedergelassenen oder Ärzte in Weiterbildung untereinander weiterbildet und dabei die ganz persönlichen Erfahrungen einfließen lässt“, erklärte Oltrogge. Wer Interesse hatte, konnte schon während des Westfälisch-Lippischen Hausärztetages mit seinem umfangreichen Fortbildungsprogramm für Hausärzte und Praxisteams in mehrere der Werkzeugkasten-Seminare hineinschnuppern.

Wer womöglich bei der Frage der Finanzierbarkeit seines Traums von der eigenen Praxis noch Zweifel hatte, dem dürften die Worte von Volker Kordes, Prokurist der Deutschen Apotheker- und Ärztebank, Mut gemacht haben: „Finanziell lohnt sich die Niederlassung auf jeden Fall – und das bei einem sehr überschaubaren Risiko. Wenn Sie in ein paar Jahren so weit sind, werden Sie sich zudem die Rosinen auf dem Markt herauspicken können“, betonte er. Dieser Schritt bedeute „mehr Cash, Verantwortung, aber auch Freude“, so Kordes. „Denn es ist ein fantastisches Gefühl, sein eigener Herr zu sein!“

 

Weitere Bilder der Nachwuchsinitiative gibt es in Kürze in der Online-Galerie.

 

Zum Online-Artikel des HAUSARZT über die Nachwuchsinitiative geht es hier.

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