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Hausarztpraxis als Schnittstelle zwischen Patient und Pflegedienst

Podiumsdiskussion HÄVWL 2018 2NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann, Hausärzteverbands-Chef Ulrich Weigeldt, Hausarzt Dr. Jens Biesenbaum und Versorgungsassistentin Ilona Hüning (v.l.) diskutierten auf Einladung des Hausärzteverbandes Westfalen-Lippe über den alten und pflegebedürftigen Patienten im deutschen Gesundheitssystem.  Foto: Herrmann Köhler/Hausärzteverband Westfalen-Lippe

Wie ist es um die Versorgung des alten und pflegebedürftigen Patienten im deutschen Gesundheitssystem bestellt? Welche Rolle kommt hierbei dem Hausarzt und seinem Praxisteam zu? Und was muss sich tun, damit sich die Rahmenbedingungen in der Pflege und Patientenversorgung in NRW weiter verbessern? Diese Fragen standen im Zentrum der berufspolitischen Podiumsdiskussion, zu der der Hausärzteverband Westfalen-Lippe am Samstag im Rahmen seines Westfälisch-Lippischen Hausärztetages in die Ärztekammer in Münster eingeladen hatte.

Mit NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) konnte Anke Richter, 1. Vorsitzende des Hausärzteverbandes Westfalen-Lippe und Moderatorin der Veranstaltung, dabei einen Gesprächspartner begrüßen, der das Thema Pflege zu einem Schwerpunkt seines politischen Wirkens erklärt hat. „Zu Recht – denn der Pflegenotstand ist auch für uns als Hausärzte spürbar“, betonte Richter. Möglichkeiten, die familiären und professionellen Strukturen im Pflegebereich zu unterstützen, sieht Laumann unter anderem in der Bereitstellung von mehr Kurzzeitpflegeplätzen und einer Abschaffung der Grenze von maximal 80 Betten pro Pflegeheim. „Hier sollte man die Einrichtungen doch örtlich entscheiden lassen, ob aufgrund der räumlichen Situation vor Ort auch mehr Betten machbar sind“, erklärte er. Elementar sei zudem, mehr Pflegekräfte auszubilden. Einerseits würden Pflegekräfte aus dem Ausland angeworben, um dem Fachkräftemangel zu begegnen, andererseits dächten viele Krankenhäuser nicht einmal darüber nach, ihre Pflegeschulen zu vergrößern. „Da wird man als Minister auch manchmal verrückt“, gestand Laumann und betonte: „Ich bin es leid. Jeder, der sich in NRW vorstellen kann, Pflegekraft zu werden, muss auch einen Platz in einer Pflegeschule erhalten!“

Für Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes, ist eine gute Zusammenarbeit von Hausärzten und Pflegekräften für die optimale Patientenversorgung unerlässlich. „Pflegekräfte und Hausärzte haben beide mehr als genug zu tun. Es muss also darum gehen, wie man sich gegenseitig unterstützen kann. Eine Stärkung der Pflege ist gut für die Patienten und damit auch gut für die Hausärztinnen und Hausärzte“, so Weigeldt. Man müsse gute Heimstrukturen ermöglichen, aber man müsse auch ermöglichen, dass Patienten zu Hause bleiben können und dass diejenigen entlastet werden, die sich zu Hause um sie kümmern. „Um eine gute hausärztliche Versorgung auch in den eigenen vier Wänden sicherzustellen, müssen beispielsweise die Hausbesuche deutlich besser honoriert werden als bisher“ sagte Weigeldt.
Dem Hausarzt und seiner speziell qualifizierten Medizinischen Fachangestellten kommt bei der ambulanten Versorgung des pflegebedürftigen Patienten eine zentrale Rolle zu. Die Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis – kurz VERAH – bietet die Möglichkeit der Delegation. Sie kann dank ihrer Qualifizierung einige Hausbesuche und nicht-ärztliche Aufgaben übernehmen, den Hausarzt so entlasten und zur Schnittstelle zwischen dem Patienten und dessen Familie, dem Hausarzt und Pflegediensten werden.

„Versorgungsassistentinnen sind ein wichtiger Faktor bei der häuslichen Begleitung und Koordinierung der Pflege. Sie kennen die Wohnsituation, können ganz konkrete Hilfsmittel erfassen und nicht nur medizinisch, sondern auch psychosozial beraten“, erklärte Ilona Hüning, selbst VERAH aus Lünen und Referentin bei VERAH-Fortbildungen des Deutschen Hausärzteverbandes, der das VERAH-Modell entwickelt hat. „Entscheidend ist dabei auch der fürsorgliche Aspekt. Die VERAH ist für den Patienten eine absolute Vertrauensperson. Sie stellt den Kontakt nach draußen her und ist aus der Hausarztpraxis nicht mehr wegzudenken“, so Hüning.
Die Zahlen sprechen für sich: Mehr als 10.400 Versorgungsassistentinnen sind mittlerweile bundesweit im Einsatz. „Diese Struktur müssen wir weiter ausbauen, statt dauernd etwas Neues zu erfinden“, betonte Ulrich Weigeldt mit Blick auch auf den Physician Assistant. Für den sehe er „im hausärztlichen Bereich keine Notwendigkeit“.

Dr. Jens Biesenbaum, frisch niedergelassener Facharzt für Allgemeinmedizin aus Löhne, setzt bei der Versorgung alter und chronisch kranker Patienten ebenfalls auf den Einsatz einer VERAH. Insgesamt sei außerdem der Aspekt der Allgemeinmedizin als Familienmedizin elementar. „Ich behandle in meiner Praxis ganze Familien und mehrere Generationen. Aus diesem Vertrauensverhältnis heraus können wir nicht nur die medizinische Versorgung steuern, sondern auch besprechen, was der Patient selbst sich vorstellt“, erklärte Biesenbaum. Patientenverfügungen seien dabei etwa ein wichtiges Thema. „Eins, das insgesamt viel zu selten und viel zu spät angesprochen wird“, so Biesenbaum.

Einen Beitrag zur Sicherung der flächendeckenden Versorgung von alten und pflegebedürftigen Patienten könnte auch die Digitalisierung leisten. „Videoschalten können hier ergänzen“, erklärte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann. „Was allerdings nicht sein darf ist, dass auf dem Land Videosprechstunden gemacht werden und sich in der Stadt die Ärzte tummeln.“
Hausärzteverbands-Chef Weigeldt verwies darauf, dass zunächst ohnehin erst die technischen Voraussetzungen geschaffen werden müssten: „Was nützt uns die Telemedizin, wenn man in strukturell schwierigen Gebieten keinen Empfang hat?“ Hier hoffe er auf Impulse aus dem Gesundheitsministerium, damit die Menschen gerade in ländlichen Bereichen nicht abgehängt würden.

 

Zum Online-Artikel des HAUSARZT über die Podiumsdiskussion geht es hier.

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