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Hausärzte von morgen gewinnen – durch Begeisterung und Wertschätzung

2018 09 12 Podium Oeynhausen ÄKWLDr. Theodor Windhorst, Anke Richter-Scheer, Michael Rausch, Dr. Marie-Luise Kluger und Prof. Dr. Dr. Diethelm Tschöpe (v.l) stellten sich den Fragen von Moderatorin Daniela Thamm. (Foto: ÄKWL)

Die Suche nach Praxis-Nachfolgern wird schwieriger, die Sorge der Menschen vor dem Wegfall des Hausarztes vor Ort nimmt zu. Der Hausärzteverband Westfalen-Lippe hat das Thema Nachwuchsförderung deshalb im Rahmen einer Podiumsdiskussion am 12. September im Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen aufgegriffen. Unter dem Motto „Nachwuchsgewinnung, aber wie?“ stellten Dr. Theodor Windhorst (Präsident Ärztekammer Westfalen-Lippe), Prof. Dr. Dr. h.c. Diethelm Tschöpe, (Lenkungsausschuss Akademie für medizinische Fortbildung der ÄKWL und KVWL), Anke Richter-Scheer (1. Vorsitzende Hausärzteverband Westfalen-Lippe), Dr. Marie-Luise Kluger (Leiterin Gesundheitsamt Kreis Herford) und Michael Rausch (Hausarzt und Leiter des Zentrums für Familienmedizin am Holzmarkt, Recklinghausen) sich den Fragen von Moderatorin Daniela Thamm

Ein Blick auf die Entwicklungen der letzten Monate zeigte dabei: Es tut sich etwas im Bemühen um mehr allgemeinmedizinischen Nachwuchs. Der Masterplan Medizinstudium 2020 und die Gründung einer neuen medizinischen Fakultät an der Universität Bielefeld sind dafür nur zwei Beispiele. „Dadurch bekommen junge Ärzte die Chance, Allgemeinmedizin selbst zu erleben und zu erfahren“, betonte Anke Richter-Scheer. Das sei unerlässlich, um die persönliche Neigung und Eignung für den anspruchsvollen Beruf des Hausarztes zu überprüfen.
In der Lehrpraxis von Michael Rausch bekommen angehende Ärzte diese Gelegenheit bereits seit vielen Jahren. „Ich mache die Erfahrung, dass Nachwuchskräfte sich einbringen und hart arbeiten wollen. Aber sie wollen eben auch die Vereinbarkeit des Jobs mit dem Privatleben“, sagte Rausch. Und das könne der Hausarztjob ihnen bieten. „Es ist wichtig zu vermitteln, dass man nicht zwingend als Einzelkämpfer unterwegs sein muss. Und es ist wichtig, dass wir aufhören zu jammern und mit der hohen Zufriedenheit werben, die unser Job uns bringt!“ Marie-Luise Kluger knüpfte daran einen Appell an die Hausärztinnen und Hausärzte: „Man muss sich einbringen und auch selbst für den Nachwuchs engagieren. Man kann sich nicht immer nur auf die Strukturen verlassen.“ In der direkten Ansprache liege eine große Chance.
Neben der persönlichen Begeisterung müssten aber auch die politischen und finanziellen Rahmenbedingungen stimmen, darin war sich das Podium einig. „Es kann ja nicht sein, dass alle anderen Fachärzte alimentiert werden, nur der hausärztliche Versorger hat das Nachsehen“, so Dr. Theodor Windhorst. Immerhin sei der Hausarzt „der wichtigste, der die Gesundheitskompetenz der Menschen regelt“. Und auch für Prof. Diethelm Tschöpe ist klar: „Für die Breitenversorgung brauchen wir den Hausarzt. Wir brauchen Qualität und der Hausarzt muss gut ausgebildet sein.“ Hier müsse es ein klares Bekenntnis geben.

Die Veranstaltung war Teil des großen „3 in 1 DMP-Fortbildungstages“, den der Hausärzteverband Westfalen-Lippe in Kooperation mit der Stiftung DHD (Der herzkranke Diabetiker), dem HDZ NRW und den Mühlenkreiskliniken in Bad Oeynhausen organisiert hatte. Rund 120 Hausärztinnen und Hausärzte sowie Medizinische Fachangestellte aus ganz Ostwestfalen-Lippe nutzten die Möglichkeit, sich unter dem Motto „Spezialist trifft Hausarzt – ambulant und stationär“ in den Bereichen Pneumologie, Diabetologie und Kardiologie fortzubilden. Für die Praxisteams wurde ein „Update DMP für MFA und VERAH“ angeboten, mit allem Wissenswerten rund um Disease Management Programme für Medizinische Fachangestellte und Versorgungsassistentinnen in der Hausarztpraxis. Parallel zu den beiden DMP-Fortbildungen wurde zudem das Seminar „Praxisabgabe, -übernahme und -gründung. Zukunftssicherung für Jung und Alt“ angeboten. Es richtete sich an Ärzte, die in absehbarer Zeit in den Ruhestand gehen und ihre Praxis abgeben möchten und an Ärzte in Weiterbildung vor dem Übergang ins Berufsleben. Sie erhielten betriebswirtschaftliche, juristische und steuerrechtliche Tipps zu den Themen Praxisabgabe, Gestaltung eines Kaufvertrages und Kooperationsformen.

 

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