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Neue medizinische Fakultät in Bielefeld: "Eine Vision konkretisiert sich"

Fotolia 53637000 M MedizinstudiumIn Bielefeld entsteht eine neue medizinische Fakultät. (Foto: Fotolia)

An der Universität Bielefeld entsteht eine neue medizinische Fakultät. Anfang Oktober wurde die Neugründung gefeiert. Dr. Wolfgang Picker-Huchzermeyer, Vorstandsmitglied des Hausärzteverbandes Westfalen-Lippe und Facharzt für Allgemeinmedizin aus Bielefeld, war bei der Pressekonferenz vor Ort anwesend und berichtet in diesem Beitrag über den Stand der Dinge und die nächsten Schritte.

Die medizinische Fakultät in Bielefeld: Eine Vision konkretisiert sich

 "Am 1.10.18 fand in der Universität Bielefeld eine Pressekonferenz zu der Neugründung der Medizinischen Fakultät statt. Dieser Termin war zugleich der Start der ,Medizinischen Fakultät in Gründung. Ein Jahr nach dem Gründungsbeschluss durch die NRW Landesregierung zogen die Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen, der Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann und dem Rektor der Universität Prof. Gerhard Sagerer Zwischenbilanz. 

Die Universität Bielefeld hat in kurzer Zeit in enger Abstimmung mit dem Wissenschafts- und dem Gesundheitsministerium die Konzepte erarbeitet und die ersten konkreten Planungen begonnen. Gesundheitsminister Laumann berichtete zum Auftakt der Pressekonferenz über seine Motive für die Neugründung der Medizinischen Fakultät in Ostwestfalen. Angesichts der Tatsache, dass viel zu wenige Medizinerinnen und Mediziner in NRW ausgebildet werden, wäre es zwar einfacher gewesen, die bestehenden medizinischen Fakultäten in NRW zu vergrößern. Jedoch betrachte er die Medizinische Fakultät für die Region Ostwestfalen als eine wesentliche gesundheitsbezogene und auch wissenschaftliche Regionalförderung. Vor allem hinsichtlich der schwierigen hausärztlichen Versorgungssituation im östlichen Westfalen und in Lippe sei es wichtig, hier Ärztinnen und Ärzte auszubilden, die dann im Sinne eines "Klebeeffektes" in der Region praktizieren. Deshalb sieht Minister Laumann in der allgemeinmedizinischen Ausbildung einen Schwerpunkt neben einer sehr guten Basisausbildung und einer Forschung, die die exzellenten Fähigkeiten der Universität Bielefeld und der umgebenden Kliniken mit einbezieht.

Der Rektor der Universität Bielefeld, Prof. Gerhard Sagerer berichtete über den Stand der Planungen. Vor allem sei es die Arbeit der Universität mit den verschiedenen Fakultäten in Zusammenarbeit mit dem wissenschaftlichen Beirat gewesen, Konzepte für Studium und Wissenschaft zu entwickeln. So konnte schon Ende September die Gründungsdekanin Frau Prof. Claudia Hornberg die erarbeiteten Konzepte dem Wissenschaftsrat übergeben.
Grundlage aller Überlegungen wird die Entwicklung eines "Innovativen Studiums für ein innovatives Berufsbild" sein, so Prof. Sagerer. Dieses Profil soll durch eine intensive Wissenschaftlichkeit, ein zukunftsfähiges Studienmodell und ein spezielles Forschungsprofil erreicht werden. Dabei wird vor allem die gesamte ärztliche und medizinische Versorgung im niedergelassenen Bereich mit besonderem Schwerpunkt der hausärztlichen und allgemeinmedizinischen Versorgung zum Thema der Fakultät werden. Durch die Integration der verschiedenen Schwerpunkte der wissenschaftlichen Arbeit der gesamten Universität Bielefeld ergeben sich dabei eine Fülle von synergistischen Effekten.

Schon jetzt werden die ersten Lehrstühle ausgeschrieben (Anatomie, Biochemie, Physiologie-Pathophysiologie, Allgemeinmedizin, Innere Medizin - Schwerpunkt Gastro-Enterologie, Didaktik, Ausbildungsforschung und Digitalisierung der Medizin), auch die ersten Raumplanungen werden durchgeführt. Die Bauarbeiten für die ersten Räumlichkeiten auf dem Campus sind schon gestartet. Die Kooperation mit den Kliniken in und um Bielefeld, die zu einem "Universitätsklinikum Ostwestfalen" zusammengefasst werden, haben unter der Federführung der Universität begonnen. Und: für die Gründungsphase stehen der Universität von 4,5 Mill. Euro (2018) bis 45 Mill. Euro (2022) jährlich zur Verfügung (ohne Gebäude-Investitionen).
So sollen dann 2021 die ersten 100 Studentinnen und Studenten das Studium beginnen, die Kapazität wird dann in den Folgejahren bis auf ca. 300 Stud./Jahr erweitert.

Prof. Hans-Jochen Heinze (Mitglied des Wissenschaftsrats) betonte in seinem Beitrag die wissenschaftlichen Anforderungen an die Forschungen der neuen Fakultät.
Gedacht ist dabei an die Forschung über "den behinderten Menschen" im weitesten Sinn, der aus neurologischer, psychosozialer, ethischer, kommunikationstechnischer und bezüglich technologischer Assistenzsysteme untersucht werden soll. Das soll auch die Bereiche "Lebensraum Mensch" und die Möglichkeiten der interprofessionellen Vernetzung mit einbeziehen. Gemeinsame Projekte mit der Entwicklung der künstlichen Intelligenz, der Public Health und der Kommunikationswissenschaften sowie der Linguistik ergeben sich aus der Struktur der Universität Bielefeld.

Die allgemeinmedizinische Versorgung, die frühzeitige Begegnung mit dem kranken Menschen und seinen psycho-sozialen Problemen wird ein wichtiger Bestandteil des Modellstudienganges werden. Schon von Beginn des Studiums an wird eine enge Verknüpfung des Lernstoffes der Grundlagenfächer mit Fallbeispielen aus Praxis oder Klinik angestrebt.
Der Modellstudiengang wird auch besonderen Wert auf Interprofessionalität und eine enge Vernetzung mit anderen Berufen des Gesundheitssystems legen und gleichzeitig eine starke wissenschaftsmethodische Orientierung bieten."

Dr. Wolfgang Picker-Huchzermeyer

 

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