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E-Rezept ist in der derzeitigen Form nicht sinnvoll nutzbar

Der Deutsche Hausärzteverband und der Hausärzteverband Westfalen-Lippe zeigen Verständnis für die Entscheidung der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, den Roll-Out des E-Rezeptes unter den gegebenen Rahmenbedingungen nicht fortzuführen. Gleichzeitig betonen sie, dass das E-Rezept grundsätzlich eine sinnvolle Anwendung ist, von der insbesondere die Patientinnen und Patienten profitieren könnten. In der derzeitigen Form ist es jedoch weder für Hausärztinnen und Hausärzte noch für Patientinnen und Patienten praxistauglich. Beide betonen, dass der flächendeckende Roll-Out nicht an den Ärztinnen und Ärzten scheitert, sondern an der desolaten Umsetzung.

"Das E-Rezept ist in dieser Form de facto nicht nutzbar"

„Dass die KV Westfalen-Lippe sich gezwungen sieht, die Reißleine zu ziehen, ist absolut nachvollziehbar. So wie sich die Sachlage derzeit darstellt, ist das E-Rezept in dieser Form für Ärztinnen und Ärzte und Patientinnen und Patienten de facto nicht sinnvoll nutzbar,“ so Anke Richter-Scheer, Vorsitzende des Hausärzteverbandes Westfalen-Lippe und dritte stellvertretende Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes. „Es ist mehr als nur bedauerlich, dass es die verantwortlichen Akteure im Jahr 2022 nicht schaffen, eine praktikable Lösung zur Verfügung zu stellen, die die Versorgung einfacher und digitaler macht.“

Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) hatte am Donnerstagvormittag in einer Pressemitteilung das Ende des Pilotprojektes erklärt, nachdem der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) abgelehnt hatte, bei der Übertragung des E-Rezeptes die elektronische Gesundheitskarte einzusetzen. Diese Entscheidung sei "eine Bankrotterklärung für die Digitalisierung im Gesundheitswesen generell und speziell in der ambulanten Versorgung", so KVWL-Vorstand Thomas Müller in der Pressemitteilung.

Nach derzeitigem Stand bleibt damit zum einen der Ausdruck des Rezeptcodes auf Papier als Alternative. Das Ausdrucken eines Papierzettels konterkariert die Idee eines elektronischen Rezepts. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, die von der gematik zur Verfügung gestellte E-Rezept-App zu nutzen. Aufgrund sehr hoher Zugangshürden wird diese jedoch nur von einer sehr niedrigen Zahl an Patientinnen und Patienten genutzt. Zuvor war bereits die KV Schleswig-Holstein mit dem Hinweis auf die mangelnde Alltagstauglichkeit der Anwendung aus dem Projekt ausgestiegen. Damit nimmt keine Pilotregion mehr an dem Roll-Out teil.

"Hausärztinnen und Hausärzte würden sehr gerne das E-Rezept nutzen"

„Die Hausärztinnen und Hausärzte würden sehr gerne das E-Rezept nutzen, die Umsetzung ist allerdings so schlecht, dass es weder den Kolleginnen und Kollegen noch den Patientinnen und Patienten zumutbar ist. Die Liste der gescheiterten Telematikinfrastruktur-Projekte wird somit immer länger. Es zeigt sich einmal mehr: Die Anwendungen der Telematikinfrastruktur funktionieren in der Praxis nicht. Man hat eine Autobahn gebaut, auf der niemand wirklich fahren kann“, so Prof. Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth, erste Stellvertretende Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes.

Zur gemeinsamen Pressemitteilung des Deutschen Hausärzteverbandes und Hausärzteverbandes Westfalen-Lippe vom 3. November 2022

Zur Pressemitteilung der KVWL vom 3. November 2022

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